der Wallstraße 22 von 1906 – 2025
Das Haus in der Wallstraße 22 ist in den Jahren 1906 / 07 erbaut worden. Somit fällt es in die baugeschichtliche Zeit des Jugendstils. Es befindet sich im Denkmalbereich der Welterbestadt Quedlinburg und gehört somit zum UNESCO Weltkulturerbe.
Das Richtfest wurde laut Bauakten am 27. August 1906 gefeiert, die Gebrauchsabnahme ist auf den 16. März 1907 datiert. Erbaut wurde das Haus von Friedrich Hecht, einem Quedlinburger Bauunternehmer und Techniker, der das Grundstück von Willy Mette abkaufte. Friedrich Hecht verkaufte die Wallstrasse 22 im Jahr 1909 an Hermann Wehrenpfennig, Inhaber einer Kunst- und Handelsgärnerei in Quedlinburg. Vermutlich im Jahr 1932 wurde das Haus an Otto Wiederhold, Kaufmann in Quedlinburg, verkauft. Seine Tochter Ilse Hagedorn, geb. Wiederhold, übernahm 1953 das Grundstück nach dem Tod ihres Vaters. 1991 wurde das Haus an Helga und Hans-Joachim Ehrig und an Rolf Ullrich als Eigentümergemeinschaft verkauft. Helga Ehrigs Mutter, Frau Eva Frieda Luise Zachariae, wohnte seit 1934 in der Wallstraße 22. Frau Helga Ehrig wohnte 85 Jahre ebenda. Im Jahr 2025 übernahm die Tochter von Helga Ehrig und ihr Schwiegersohn das Haus in der Wallstrasse 22.


Der Jugendstil
Dieser ist gegründet auf lokalen Bewegungen der Künstleravangarden, welche untereinander in regem Ausstausch standen. Namensgeber für die Epoche des Jugendstils war die von Georg Hirth im Mai 1896 gegründete Zeitschrift – JUGEND -. Im Jahr 1897 war erstmals bei der sächsisch-thüringischen Industrie- und Gewerbeausstellung in Leipzig von Jugenstil die Rede. Der Jugendstil wurde in vielen gestaltenden Bereichen wie Architektur, Inneneinrichtung, Dekoration, Porzellan, Schmuck, Mode und Kunst umgesetzt.
Stilprägend ist großflächige florale Ornamentik, dekorativ geschwungene Linien, abstrahierte Darstellungen von Pflanzen und Tieren und japanisch anmutenden Motiven. Ein herausragendes Leitmotiv ist der Schwan, welcher das Lieblingstier von dem Maler und Gestalter Otto Eckmann, eines der prominentesten Mitarbeiter bei der Zeitschrift JUGEND war.

Die Wohnung der Neuzeit
Ein aus dem Buch Die Wohnung der Neuzeit ( erschienen 1908 in Leipzig ) entnommener Text beschreibt den Stil und die Zeit wie folgt: „Wenn man das Besondere der Bewegung, die wir die moderne heißen, und die im Laufe der letzten zehn Jahre nicht nur den Rahmen und die Formen, sondern auch den Gehalt unseres Daseins umzugestalten bemüht ist, kurz kennzeichnen will, so muß man sie eine Revolution der Wohnung nennen. Hundertmal ist bewiesen worden, daß die erhabensten und tiefsten Erlebnisse menschlicher Geistesarbeit nur in den Werken der hohen Kunst, Malerei und Bildnerei, allenfalls noch in der Architektur, dauernde Gestalt gewinnen können. Hier steht, mit neuer Kraft einer plötzlichen Naturerscheinung, das Bild einer neuen Kultur vor uns, die den Anspruch erhebt, nicht genossen, sondern gelebt zu werden. Niemals indes hätte diese Bewegung sich so rasch die Sinne der europäischen Kulturmasse erobert, wenn sie nur auf ästhetischen Vorgängen fußte, auf geschmackliche Wirkungen ausginge. Daß sie mehr ist als eine Mode, so eifrig ihre Gegner auch, noch heute, sie nur als solche gelten lassen wollen, verdankt sie ihrem Verwachsensein mit bestimmten Zuständen des Wirtschaftslebens und des sittlichen Bewußtseins.„
Erhalt und Zustand
Einige typische Motive des Jugendstils sind im und am Haus in der Wallstraße 22 verewigt. Komplett erhalten sind die Zimmer- und Wohnungseingangstüren mit den Drückergarnituren in allen Etagen. Ebenso das oberste Treppenhausfenster vor dem Dachboden und das Zimmerfenster in der Mansarde des Dachbodens. An beiden Fenstern sind die originalen Oliven zu finden. Die Fassung des Mansardenzimmers ist im ursprünglichen Zustand. Im Badzimmer des Erdgeschoßes ist ein florales Deckenmotiv in den farben Blaßgrün und Fernblau teilweise erhalten. Original erhalten ist der aus Zeit der Errichtung des Hauses stammende Dachstuhl mit seinen gestalteten Balkenköpfen. Der Zwerchhausgiebel an der Ostseite zur Wallstrasse ist ebenfalls komplett erhalten, sowie die gußeiserne Zaunanlage mit der Säule zur Wallstraße 23.
Seit der Übernahme des Hauses im Jahr 2025 Restaurieren und Sanieren Clemens und Franka Gerstenberger das Gebäude behutsam, so daß der Charme des Jugendstils erhalten bleibt. Oberstes Gebot ist dabei die Erhaltung der Substanz des Hauses und des Grundstücks verbunden mit der Annäherung an modernen Wohnraum. Mehr zur Restaurierung und Sanierung erfahren Sie auf der folgenden Seite.














