Seit dem Jahr 2025 werden am und im Haus zahlreiche Restaurierung- Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten vorgenommen. Diese dienen sowohl der Erhaltung der Substanz als auch der Anpassung des Wohnkompforts an moderne Kriterien unter Einbeziehung der richtungsweisenden Stilmerkmale der Epoche des Jugendstils. Clemens Gerstenberger, Miteigentümer des Hauses, hat in seinen frühen Jahren in der Holz- und Möbelrestaurierung gearbeitet und bringt sein Wissen und sein Feingefühl in das Konzept Wallstrasse 22 ein.

Ausführende Fachfirmen
Sommer 2025 – Bestandsaufnahme
Das Gebäude und seine Außenhülle
Im Sommer 2025 wurde eine Bestandsaufnahme erstellt, welche einen Überblick über den Bauzustand des Hauses und der Kosten ermöglichte. Unter Einbeziehung kompetenter regionaler Handwerksbetriebe war es schnell möglich, ein Restaurierungs- und Sanierungskonzept zu erstellen. Glücklicherweise sind während des 2. Weltkrieges und danach keine Schäden am Gebäude durch Kriegseinflüsse oder Fassadenveränderung entstanden. Dadurch ist das Haus in seinem ursprünglichen Zustand erhalten geblieben. Augenscheinlich war der visuelle Charakter der Fassade durch Wettereinflüsse in einem überabreitungswürdigen Zustand. Die an das Haus angrenzende Grundstücksmauer zur Steinholzstrasse mußte 2007 erneuert werden, da sie baufällig war. Die Position der Säulen und die Hoftür wurden weitestgehnend erhalten. Ebenfalls sanierungsbedürftig war das im Jahr 1998 gedeckte Dach, welches durch Hagel und Sturm teilweise in Mittleidenschaft gezogen worden ist.



Weiterhin wurde festgestellt, daß die Balkenköpfe sowie das Fachwerk des Zwerchhausgiebels durch Bewitterung stark angegriffen war. Außerdem war ein Schaden durch Taubenkot auf den Holzbalken sowie auf dem Steinsims entstanden.
Die Photos zeigen den Zwerchhausgiebel im unrestauriertem Zustand.






Die Photos zeigen den Zwerchhausgiebel im unrestauriertem Zustand.



Schäden am Dach und Schornstein durch Hagel und Sturm
Das Erdgeschoß
In der Erdgeschoßwohnung wurde 1998 mit der Modernisierung und Sanierung begonnen. Diese ist aber nicht abgeschlossen gewesen. Teilweise ist eine neue Gasheizung eingebaut worden und eine neue elektrische Anlage hat den alten Standard mit Aluleitungen abgelöst. Der Dielenfußboden mit seinen durchgehenden Fichtedielen ist erhalten und wurde mit Spaxschrauben abgeschraubt. In der Küche ist der Fußboden jedoch durch Feuchtigkeiteinwirkung vom Holzwurm heimgesucht worden, so daß dieser komplett erneuert werden muß. Die Dielenfußböden sind mit dunkelbrauner Farbe gestrichen.





Haus- und Hoftür
Die Hauseingangstür und die Hoftür sind aus der Enstehungszeit des Hauses und wurden im Jahr 2000 überarbeitet und teilweise restauriert. Im Jahr 2014 ist die Hoftür notdürftig repariert worden, da sie in einem desolaten Zustand war. Beide Türen haben eine Materialdicke von knapp 40 mm und gewährleisten keinen dichten Abschluß zu Hausinneren. Die Zahnleiste über dem Kämpfer der Haustür ist ebenfalls am Fenster des Zwerchgiebelhauses zu sehen. Gleiche Ornamentik findet man in der Riefenstahl – Villa in der Wallstraße Ecke Marschlinger Hof.


Hauseingangstür auf der Steinholzstraße (li) | Hoftür an der Westfassade (re)
Das Treppenhaus
Ursprünglich war das Treppenhaus mit ungefassten Holzbauteilen und mit dunkelbraunem Sockel an der Wand. Im Jahr 2002 wurde das Treppenhaus saniert. Hellere Farben, ein neu gestalteter Wandsockel, die farbige Ausführung des Geländers und das umgestalteten der Stufen waren Aufgabe der Sanierung. Wieder verwendet wurden die Messingschienen der Trittstufen bis zum 2. Obergeschoß. Die Deckenbeleuchtung wurde durch eine Wandbeleuchtung ersetzt.





Wohnungstür mit originalen Glasfüllungen
Herbst 2025 – Restaurierung
Die Außenfassade
Wichtig für die Eigentümer ist der Erhalt der Originalsubstanz und des Charakters des Hauses. Auf eine experimentelle Farbgebung wurde bewußt verzichtet. Da der Originalputz an der Ost- und Südfassade weitestgehend erhalten geblieben ist, konnte dieser Farbton als Grundlage für die Neufassung dienen. An der Südwand zur Steinholzstrasse sind an der Wand geometrische Applikationen in zirka 15 – 20 mm Stärke angeputzt. Diese waren etwas strukturierter geputzt als die Grundwand. Am Zwerchausgiebel war der Grundfarbton erhalten und konnte mittels Farbfächer analysiert werden.


Für die Fassade wurde eine Spezialfarbe für den Denkmalschutz der Firma Keim verwendet. Am Zwerchhausgiebel und an den Holzbauteilen des Dachstuhle im Außenbereich wurden leinölbasierte Farben aus dem Histolith Programm von Caparol und Leinöl zur Konservierung eingesetzt.
Ende September wurde das Gerüst gestellt und es konnte mit den Außenarbeiten begonnen werden. An der Westseite begannen die Handwerker mit den Putzarbeiten an der Fassade und rückten danach an die Südseite.


Parallel dazu begann der Eigentümer mit der Restaurierung der Holzbauteile und im besonderen des Zwerchhausgiebels. Dieser war durch fast 120 Jahre ungeschütze Bewitterung in Mitleidenschaft gezogen. Die Balkenköpfe waren teilweise verwittert und mussten ersetzt werden. Ebenso das Gefache in Dreieckform aus Putz war stark angegriffen. Von der Zahnleiste des Kämpfers am Fenster mußte alte Farbe und Putzreste entfernt werden.





Reparatur des Daches
Ende Oktober wurde mit den Reparaturarbeiten am Dach begonnen. Die alten und falsch verlegten Ziegel der Brandschutzmauer wurden entfernt und durch eine Abdeckung aus Zinkblech ersetzt. Der Walzbleianschluß ist komplett erneuert wurden, ebenso ein Teil des alten Schornsteins, welcher erhalten bleiben sollte. Hagel und Sturm richteten ebenso Schaden an Dachfenstern und Abluftabdeckungen an, so daß an diesen Stellen partiell ausgebessert werden mußte.




Die Spannung wuchs, da am 4. November 2025 das Gerüst von der West- und Südseite wich und die Schönheit des Hauses zu betrachten war und Platz für die Restarbeiten am Sockel geschaffen wurde.

Die im Sockelbereich der Ostseite zur Wallstrasse entstandenen Beschädigungen. Diese mußten im Zuge der Restaurierung behoben werden. Ein Teil der Profilierung war zerstört und mußte erneuert und restauriert werden.


Dazu fertigte der Eigentümer Clemens Gerstenberger eine Profilschablone an, die von den Handwerkern zum Nachziehen der Profile diente.





Restaurierung und Sanierung im Erdgeschoß
Im Erdgeschoß konnte Ende September mit den Arbeiten begonnen werden, da die Räume bereits teilweise saniert worden sind. Zuerst wurde mit dem Abbrennen der Farbe der Fußböden begonnen, um diese für einen effizienteren Nachschliff vorzubereiten. Zusätzlich mußten an den bereits abgeschraubten Dielen die Schraubenköpfe und Nägel versenkt werden, damit danach Parkettacryl zum Ausbessern der Löcher einegesetzt werden konnte. In den vorderen Räumen wurden zirka 1200 Schrauben ersetzt und zirka 600 Nägel versenkt.





Anfang November erfolge das Schleifen und Versiegeln der Fußböden mit Hartöl der Firma LOBO. Es ist ein lösungsmittelfreies Hartöl, welches sich auch als Versiegelung von Kinderspielzeug eignet. Es ist ein transparentes Öl und bringt die natürliche Struktur des Holzes sehr gut zur Geltung.





Nachdem der Vorschliff beendet wurde, mußten die Ränder manuell mit Handschleifmaschinen nachgeschliffen werden, um den Fußboden für den Feinschliff vorzubereiten. Alle Fußboden mußten vor dem Ölen vom Schleifstaub befreit werden.
Der Ölauftrag erfolgte in 2 Stufen. Zuerst wurde das Öl am Rand und auf der Fläche aufgetragen. Danach wurde es mit einem Saugpad, welches sich unter der COLUMBUS Tellerschleifmaschine befand, gleichmäßig in das Holz einmasiert. Nach einer Wartezeit von 30 Minuten konnte nun die Feinpolitur erfolgen.





Sanierung Küche
Der vom Holzwurm beschädigte alte Fußboden mußte komplett aufgenommen und entsorgt werden. Ebenso die Lagehölzer, welche durch Feuchtigkeitseinwirkung teilweise durchgefault waren. Die Sandschüttung zwischen den alten Lagebalken sowie die darunter befindlichen Auflagehölzer waren trocken. Somit konnten an die Stellen der alten Lagehölzer neue eingebracht werden. Diese haben eine Dimension von 80 x 60 mm und sind damit drchschnittlich etwas größer als die alten Lagehölzer. Als erste Bodendecklage ist 25 mm OSB gewählt worden, da diese eine optimale Aussteifung gewährleistet. Die einzelnen Platten sind in der Nut- Feder – Verbindung mit PUR – Leim verklebt worden und mit 70 mm Schrauben an den Lagehölzern befestigt worden.

Zustand des Fußbodens vor der Sanierung





Sanierung der Räume
Nach dem Schleifen der Fußböden wurden diese mit einer Schutzmatte und Malerflies versehen, damit bei den weiteren Arbeiten die Fußböden geschützt sind. Durch die Neuverlegung der Elektroleitungen wurden die Kanäle zugeputzt und hatten sichtbare Unterschiede zu den Kalkputzwänden aus der Entstehungszeit. Um eine weitestgehend einheitliche Fläche zu erzielen, sind alle Decken und Wände mit einer dünnen, zirka 2 – 3 mm Putzschicht abgeputzt und ausgefilzt worden. Die Grundarchitekur ist dabei erhalten geblieben. Es ist bewußt darauf verzichtet worden, absolut plane Wände und Decken zu erhalten, da dies nicht dem ursprünglichen Charakter entspricht.







